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Kuba: Armut und Lebenslust

Kuba zählt zu den großen Antillen und liegt eingebettet zwischen dem Golf von Mexiko bzw. dem Atlantischen Ozean und dem Karibischen Meer. Kuba ist zugleich die größte Karibikinsel. Etwa elf Millionen Menschen leben hier, zwei davon in Kubas Hauptstadt Havanna. „La Habana“ beschreibt zugleich den Inbegriff von Armut und Lebenslust.

Obwohl Teile der Stadt restauriert worden sind, ist der ehemalige Reichtum der Stadt unter dem Verfall versteckt. Weit größer als dieser Schatz sind Kubas Menschen. Liegt es am Wetter oder am Meer, dass die Lebensfreude der Kubaner nie versiegt? Müssten sie doch, gebeutelt von den Zeiten nach der Revolution und den wirtschaftlichen Sanktionen, ihr Lachen verloren haben? Das Gegenteil ist der Fall. Auf Kuba trifft der Besucher stets auf lächelnde Gesichter. Die Menschen bewegen sich tanzend durch ihren Alltag.

Das Elend hat die Kubaner aufgefordert, Alternativen zu suchen. Not macht erfinderisch! So hat das Karibikvolk immer Mittel und Wege gefunden, um die zurückgelassenen Autos der Amerikaner bei Fahrlaune zu halten. Die alten, sowjetischen Lastkraftwagen fahren heute noch, wenn auch nicht sehr zuverlässig. Ein Blick in ein kubanisches Haus zeigt Möbel und Bilder von unvorstellbarem Wert, beschützt und behütet von ihren Besitzern. Maschinen und Geräte sind längst veraltet. Es grenzt fast an ein Wunder, dass sie ohne Mittel und richtiges Werkzeug am Leben gehalten werden.

Es scheint, als sei die Zeit auf Kuba stehen geblieben. Die Menschen leben in Präsenz. Es wird getan, was getan werden muss. Die typischen, kubanischen Rhythmen halten die Lebensfreude und den Mythos der Insel am Leben. Wo immer Insulaner zusammen sind, spielt mindestens einer Klampfe und die anderen wiegen sich zu den heißen und doch melancholischen Liedern im Takt.
Die bunten Kleider der Frauen und Kinder leuchten mit der karibischen Sonne um die Wette. Alte Männer mit Zigarrenstummeln in den Mundwinkeln beobachten das Geschehen, nicht ohne diesen schelmischen Blick in den dunklen Augen.

Die Bewohner können es sich nicht leisten, in die Bars und Restaurants ihrer geliebten Insel zu gehen. Doch irgendwo findet sich immer eine Flasche Rum, mit der sich eine Fiesta feiern lässt. Die Konsumgüter sind rationiert und es gibt Lebensmittelkarten für oft nicht verfügbare Lebensmittel. Der Tourismus bringt zwar Devisen in das Land, aber die erreichen die Bevölkerung, wenn überhaupt, nur schleppend.
Die Kubaner sind wahre Künstler in Sachen Lebenslust. In Ermangelung von Transportmitteln laufen sie geduldig endlose Kilometer zu ihrem Ziel. Oder sie warten stundenlang auf einen LKW, der sie für wenig Geld ein Stück mitnimmt. Vielleicht ist es gerade dieser Zusammenhalt, der das Volk so sympathisch macht? Die Bewohner des Karibikstaates sind nicht gerade verwöhnt. Ihr Regime hat ihnen einiges abverlangt. Und dennoch – Ausgelassenheit, Lebensfreude, Leidenschaft, Zufriedenheit sind auf Kuba zu Hause, das sieht man auch besonders eindrucksvoll im Reisebericht von Flying Cigar, der für so manches Fotobuch gut wäre.

Ein Spaziergang auf dem „El Malecón“, der Hafenpromenade Havannas, gibt das fortwährende Duett von Armut und Lebensfreude wieder. Eine Straße zwischen Lebenslust pur und zerbröckelnden Häuserfassaden an einem leeren Ozean, auf dem kaum ein Boot zu sehen ist.